Matt Mullenweg gibt Antworten zu WordPress 5.0 und Gutenberg

Matt Mullenweg gibt Antworten zu WordPress 5.0 und Gutenberg

WordPress 5.0 steht nun endlich vor der Tür. Vor zwei Tagen wurde der zweite Release Candidate veröffentlicht. In seinem Blog gibt WordPress-Mastermind Matt Mullenweg in einem ausführlichen Post Antworten auf häufige Fragen.

Wie berichtet wurde der Termin für die Veröffentlichung von #wpversion 5.0 vorige Woche erneut verschoben. Nun wurde gestern ein zweiter, in der ursprünglichen Timeline nicht vorgesehener, Release Candidate veröffentlicht. Ein Veröffentlichungstermin ist nach wie vor noch nicht kommuniziert.

Wenige Tage vor Veröffentlichung des RC2 hat sich Matt Mullenweg in einem ausführlichen Post zu Wort gemeldet und in Form von FAQs einige häufige Fragen zu WordPress 5.0 und #gutenberg beantwortet.

Es folgt eine komplette, ungekürzte Übersetzung des FAQ-Teils ohne Einleitung. Links habe ich aus dem Original übernommen, eingebettete Inhalte aber entfernt. Der Vollständigkeit halber weise ich darauf hin, dass ich trotz großer Mühe natürlich keine Garantie für die Richtigkeit der Übersetzung geben kann.

Was ist Gutenberg?

Gutenberg ist – für diejenigen, die nicht aktiv daran mitarbeiten – ein brandneuer Editor für WordPress. Die Mitwirkenden arbeiten seit Januar 2017 daran und er ist eine der wichtigsten Änderungen an WordPress seit Jahren. Er basiert auf der Idee, beim Schreiben und Gestalten von Beiträgen und Seiten „Blöcke“ zu verwenden.

Er wird als Grundlage für zukünftige Verbesserungen von WordPress dienen – einschließlich der Möglichkeit, Blöcke nicht nur zum Entwerfen von Beiträge und Seiten zu verwenden, sondern auch für ganze Websites. 

Im Großen und Ganzen besteht das Ziel darin, die Benutzererfahrung für Erstbenutzer von WordPress zu vereinfachen – für diejenigen, die Seiten schreiben, bearbeiten, veröffentlichen und gestalten. Der neue Editor soll Benutzern eine bessere visuelle Vorstellung davon vermitteln, wie der Beitrag oder die Seite aussieht, wenn sie auf „Veröffentlichen“ klicken. Wie ich letztes Jahr in einem Beitrag geschrieben habe: „Endlich können Nutzer eine Website so erstellen, wie sie sie in ihrer Vorstellung sehen.“ 

Matías Ventura, der Teamleiter von Gutenberg, hat einen hervorragenden Beitrag über die Vision von Gutenberg geschrieben und meinte: „Er ist ein Versuch, die Art und Weise, wie Benutzer mit dem Inhalt interagieren, visuell fundamental zu verbessern, und gleichzeitig Entwicklern Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, mit denen Sie für die Menschen, denen Sie helfen, eine bessere Benutzeroberfläche erstellen können. “

Warum brauchen wir Gutenberg überhaupt?

Viele von uns, die bereits Teil der WordPress-Community sind, vergessen leicht die Lernkurve, die für Menschen besteht, die sich zum ersten Mal mit WordPress bekannt machen. Das Anpassen von Themes, das Hinzufügen von Shortcodes, das Bearbeiten von Widgets und Menüs – es existiert eine ganz eigene Sprache, die sie erst einmal lernen müssen, bevor eine Site oder ein Beitrag so aussieht, wie sie das möchten. 

In den letzten Jahren haben auf JavaScript basierende Anwendungen die Benutzeroberflächen von Apps und Software vereinfacht. Die Erwartungen der Nutzer haben sich geändert und es wird Einfachheit gefordert. Ich bin fest davon überzeugt, dass WordPress weiterentwickelt werden muss, um die Benutzererfahrung für Erstbenutzer zu verbessern und zu vereinfachen. 

Warum Blöcke?

Die Idee hinter den Blöcken ist es, eine neue gemeinsame Sprache für WordPress zu schaffen – eine neue Art, Benutzer mit Plugins zu verbinden und eine Reihe älterer Inhaltstypen zu ersetzen – Dinge wie Shortcodes und Widgets. Um diese zu verstehen, musste man sich mit den Eigenheiten von WordPress auskennen.

Das Block-Paradigma ist nicht neu – tatsächlich haben viele tolle Plugins bereits gezeigt, wie Blöcke für das Seitendesign in WordPress verwendet werden können. Elementor, einer der Pioniere auf diesem Gebiet, hat eine neue Sammlung von Gutenberg-Blöcken veröffentlicht, um zu zeigen, was alles möglich ist.

Warum den Editor ändern?

Im Editor spielen sich die meisten Aktionen in der täglichen Arbeit mit WordPress ab, und er ist der Ort, an dem wir die Benutzererfahrung mit Blöcken in einer geschlossenen Umgebung immer weiter verbessern konnten.

Außerdem wurde der klassische Editor vor allem für Texte entwickelt – aber Beiträge wurden zunehmend multimedial, mit Social Media Elementen, Karten, Kontaktformularen, Fotoalben, Videos und Grafiken. Es war Zeit für ein Design-Paradigma, mit dem wir uns von dem unübersichtlichen Flickwerk aus Shortcodes und Text verabschieden können.

Der Editor ist erst der Anfang. In weiteren Phasen werden Blöcke zu einem wesentlichen Bestandteil von Seitenvorlagen und Designs. Derzeit ist es mühsam herauszufinden, wie im Customizer Abschnitte wie Menüs, Kopf- und Fußzeilen bearbeitet werden können. Mit Blöcken können Benutzer alles auf ihrer Website bearbeiten und steuern, ohne sich darum kümmern zu müssen, wo sich das alles hinter den Kulissen in WordPress intern genau abspielt.

Was bringt das alles für Automattic?

In letzter Zeit wurden in einigen Beiträgen Fragen zu Automattics Beteiligung an Gutenberg im Vergleich zu anderen Mitwirkenden und Unternehmen gestellt. Es gibt hier keine geheime Verschwörung – als Projektleiter konnte ich Dutzende meiner Kollegen um Hilfe für dieses Projekt bitten. Ich wusste, dass ein Projekt dieser Größe dies erforderlich machen würde. Das Ziel von Automattic ist es, dass 5% aller Mitarbeiter an WordPress Community-Projekten arbeiten. Bei der derzeitigen Größe wären das 42 Vollzeitmitarbeiter. Derzeit hinken wir da etwas hinterher (~ 35 Vollzeitmitarbeiter), und das Unternehmen wird im nächsten Jahr stark wachsen. Es ist daher mit 10 bis 15 zusätzlichen Mitarbeitern zu rechnen, die an WordPress Kern- und Community-Projekten arbeiten werden. 

Mit Gutenberg ist es genauso wie mit vielen anderen Open Source Projekten – Automattic wird davon profitieren, aber auch alle anderen Glieder der WordPress-Community (und sogar der Drupal-Community). Gutenberg ist unter der GPL für alle verfügbar. Wenn es das Ziel gewesen wäre, dass ausschließlich Automattic Nutzen daraus zieht, dann wäre es schneller, einfacher und für Automattic vorteilhafter gewesen, Gutenberg exklusiv auf WP.com einzuführen. Das war und ist aber nicht der Fall.

Ist Gutenberg bereit?

Absolut. Unser ursprüngliches Ziel war es, Gutenberg auf 100.000 Websites zu bekommen, um ihn zu testen – aktuell wird er jetzt bereits auf mehr als einer Million Websites genutzt und ist das am schnellsten wachsende Plugin in der Geschichte von WordPress. Die Nachfrage der Benutzer ist groß.

Es war unser Ziel, Gutenberg vor der Veröffentlichung von Version 5.0 auf möglichst vielen Websites zu testen und Entwickler von Plugins dazu aufzufordern, sicherzustellen, dass ihre Plugins und Dienste darauf vorbereitet sind. Wenn alle mitmachen, wird das die unspektakulärste Veröffentlichung in der WordPress-Geschichte.

In der jüngsten Debatte darüber, ob Gutenberg fertig ist, halte ich es für wichtig, zu verstehen, dass es zwei verschiedene Dinge sind, ob der Code von Gutenberg fertig ist (das ist er jetzt) ​​oder ob die gesamte Community für Gutenberg bereit ist. 

Es wird einige Zeit dauern – wir hatten ja auch 15 Jahre Zeit, um den Kern von WordPress so zu perfektionieren – aber zur globalen WordPress-Community gehören einige der Besten der Welt, und so können wir Gutenberg so gut machen, wie wir es wollen. 

Es bietet sich nun auch die Möglichkeit, die Community der Mitwirkenden an WordPress dramatisch auf mehr Designer und JavaScript-Entwickler auszudehnen. Durch JavaScript-Apps gibt es auch neue Möglichkeiten, Dokumentation und Support direkt auf der jeweiligen Seite einzubinden, sodass Hilfe immer genau dort verfügbar ist, wo sie benötigt wird,

Jemand hat Gutenberg als „WordPress in 3D“ bezeichnet. Ich finde, das klingt gut. Blöcke sind wie Ebenen, in die man hinein- und herauszoomen kann. Die Frage ist jetzt: was werden wir nun mit dieser neuen Dimension realisieren?

Muss ich zu Gutenberg wechseln, wenn WordPress 5.0 veröffentlicht wird?

Überhaupt nicht. Wenn es veröffentlicht wird, kann jeder selbst entscheiden, was passiert. Das Classic Editor-Plugin kann heute schon installiert werden und wenn 5.0 dann veröffentlicht wird, ändert sich überhaupt nichts. Wir haben uns verpflichtet, den Classic Editor bis 2022 zu unterstützen und zu aktualisieren. Und wer Gutenberg vorzeitig installieren möchte, kann das auch jetzt schon tun. Das Classic Editor Plugin ist seit 13 Monaten verfügbar und Gutenberg seit 18 Monaten. Beide wurden seit August 2018 stark beworben und bereits mehr als 1,3 Millionen .org-Websites haben sich für für eine der beiden Varianten entschieden. Für alle diese wird sich nichts ändern, wenn sie auf 5.0 aktualisiert werden.

Wie kann ich sicherstellen, dass ich bereit bin?

Vor dem Update auf 5.0 sollte das Gutenberg-Plugin getestet werden, um sicherzustellen, dass Gutenberg mit den vorhandenen Plugins funktioniert und man sich mit der neuen Bedienung vertraut machen kann. Entwickler im gesamten WordPress-Ökosystem arbeiten hart an der Aktualisierung ihrer Plugins, der Fortschritt kann jedoch variieren. Der Classic Editor kann verwendet werden, um bestehende Lücken zu schließen. 

Wie bei allen neuen Dingen fühlt sich manches vielleicht ein wenig seltsam und neu an, aber ich bin zuversichtlich, dass – wenn ihr einmal damit begonnen habt, ihn zu verwenden – ihr euch schnell damit wohlfühlen werdet und ihn nicht mehr missen wollt.

Der Release Candidate 1 von 5.0 wurde freigegeben und kann zum Entwickeln und Testen verwendet werden.

Wann wird 5.0 veröffentlicht?

Wir hatten einen stabilen RC1, was für den ersten Release Candidate steht, und wir stehen kurz vor dem zweiten. Derzeit gibt es nur eines, was uns noch aufhält, und das ist die Kosmetik. Die Stabilität und die bisherigen Probleme beim Release Candidate machen mich zuversichtlich, dass wir die Version bald veröffentlichen können. Stabilität und Qualität der zugrunde liegenden Software sind nach wie vor der entscheidende Faktor. Wir haben den Fehler gemacht, ein Datum bekannt zu geben, als noch viel am Code geändert wurde und mussten es aufgrund von Rückschlägen und Fehlern verschieben. Jetzt, wo sich nichts Grundlegendes mehr ändert, werden wir uns schon bald auf ein Datum festlegen können.

Ist eine Veröffentlichung im Dezember ein Fehler?

Manche Leute denken das, andere nicht. Es gab in der Vergangenheit bereits 9 WordPress Major Releases im Dezember. Tatsächlich wurden im letzten Jahrzehnt 34% aller Major Releases im Dezember veröffentlicht.

Kann ich es so konfigurieren, dass nur bestimmte Benutzer Gutenberg verwenden können?

Ja, schon bald. Wir werden noch vor der Version 5.0 ein weiteres Update des Classic Editors durchführen, um eine feinstufigere Benutzersteuerung zu ermöglichen – es gibt den Bedarf dafür, Gutenberg für bestimmte Benutzer oder bestimmte Rollen und Post-Typen verwenden zu können und für andere den Classic Editor.

Was passiert nach 5.0?

Wir haben alle zwei Wochen eine neue Version von Gutenberg veröffentlicht, und daran wird sich auch mit 5.0 nichts ändern. Mit gelegentlichen Pausen werden wir vierzehntägig Minor Releases für 5.0 (5.0.1, 5.0.2) veröffentlichen, um schnell auf Feedback reagieren zu können. Viele der bisherigen Fehler in Updates wurden durch das Jonglieren zwischen Updates im Gutenberg-Plugin und dem WordPress-Kern verursacht. Jetzt, wo Gutenberg Teil des Kerns ist, sind inkrementelle Updates viel einfacher und sicherer.

Was ist mit Gutenberg und Barrierefreiheit?

Es gab in den letzten Wochen einige wichtige Diskussionen bezüglich der Barrierefreiheit, und ich bin diejenigen dankbar, die diese Fragen in der Community aufgeworfen haben.

Die Barrierefreiheit war von Anfang an ein zentraler Bestandteil von WordPress. Sie ist ein Teil dessen, warum wir damit begonnen haben – die Verwendung von Webstandards und die Barrierefreiheit. 

Aber ich denke, dass wir beim Projektmanagement gescheitert sind. Wir hatten ein Team von Freiwilligen, die das Gefühl hatten, von der rasanten Entwicklung von Gutenberg getrennt zu sein. Das müssen wir verbessern. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, die Barrierefreiheit künftig weiterhin von der Entwicklung des Kerns zu trennen. Die Barrierefreiheit muss in jeden einzelnen Schritt integriert werden. 

Trotzdem haben wir viel erreicht, wie Matías geschrieben hat. Seit Beginn wurden mehr als 200 Probleme im Zusammenhang mit der Barrierefreiheit behoben.

Wir nutzen auch die Gelegenheit, einige Dinge zu verbessern, die in Bezug auf die Barrierefreiheit in WordPress von Anfang an schlecht waren. CodeMirror, ein Code-Editor für Templates, ist nicht barrierefrei, daher haben wir einige Teile von WordPress, an denen wir wirklich arbeiten müssen, um besser zu werden. 

Übrigens war CodeMirror auf der Suche nach einer Finanzierung für die nächste Version. Automattic hat diese nun mit einer Spende unterstützt und im Gegenzug wird CodeMirror dafür unter der GPL verfügbar gemacht und die nächste Version wird barrierefrei sein. 

Und schließlich wird Automattic eine Studie zur Barrierefreiheit von WordPress und Gutenberg finanzieren sowie eine Erhebung der Best Practice Verfahren im Web, um sicherzustellen, dass WordPress vollständig barrierefrei ist und insgesamt neue Standards für das Web gesetzt werden.

Wird der Name Gutenberg nach WordPress 5.0 bestehen bleiben?

Manchmal entwickeln Codenamen ein Eigenleben. Ich denke, dass, wir dieses Projekt weiterhin Gutenberg nennen werden – so heißt es auf GitHub und so wurde es auch von anderen CMS-Systemen außerhalb von WordPress übernommen – aber für die Leute außerhalb der Community wird es einfach „der Neue WordPress-Editor“ sein.

Wie siehst Du durch den Einsatz von React für Gutenberg die Zukunft von React und WordPress?

Im Jahr 2015 habe ich gesagt: „Lernt JavaScript“ – dann haben wir 2016 die REST-API in den Kern integriert. Gutenberg ist der erste bedeutende Teil, der vollständig auf der REST-API basiert. Wenn ihr also heute etwas lernt, dann lernt JavaScript. Ich kann mir vorstellen, dass zukünftig der Admin-Bereich von WordPress zu 100% auf JavaScript basiert und über APIs kommuniziert. Ich bin gespannt darauf, das kommen zu sehen. 

Der Wechsel zu einem reinen JavaScript Benutzerinterface könnte die Rückwärtskompatibilität beeinträchtigen, aber die gute Sache bei Gutenberg ist, dass für alle Plugins ein Weg zur Verfügung steht, wie sie damit zusammenarbeiten können. Dadurch wird die Notwendigkeit von vielen unterschiedlichen Admin Seiten eliminiert.

Die andere schöne Sache ist, dass Gutenberg eine Übersetzung für viele verschiedene Formate ermöglicht – mann kann damit Seiten auf der Website veröffentlichen, einen RSS-Feed, AMP, es können Blöcke veröffentlicht werden, die in E-Mails für Newsletter übersetzt werden können – die Struktur von Gutenberg und dem von ihm erstellten semantischen HTML-Code sowie der Grammatik, die verwendet wird um diesen Code zu parsen, eröffnet so viele Möglichkeiten für andere Anwendungen. 

Es wird ein bisschen wie eine Lingua Franca, die sogar die Grenzen von CMS-Systemen überwindet. Es gibt jetzt diese neuen CMS-übergreifenden Gutenberg-Blöcke. Es ist nicht mehr nur WordPress – es kann auch ein JavaScript-Block, der für Drupal entwickelt wurde, unter WordPress installiert werden. Wie wäre das vorher jemals möglich gewesen? Deshalb haben wir uns zwei Jahre Zeit genommen – deshalb hat jeder auf der Welt daran gearbeitet. Es ist, weil wir wollen, dass es das wert ist.

Und WordPress 5.0 ist nur der Anfang. Wir möchten es so weit bringen, dass es nicht nur besser ist als das, was wir heute haben, sondern dass es eine Weltklasse im Internet wird. Das ist es, was wir erreichen wollen und was auch jeder verdient.

Wurde dieser Beitrag mit Gutenberg veröffentlicht?

Na sicher. Keine Fehler – aber ich sehe noch viele Bereiche, in denen wir uns weiter verbessern können, und ich freue mich darauf, daran arbeiten zu können.

Quelle: ma.tt/2018/11/a-gutenberg-faq
Deutsche Übersetzung ohne Gewähr

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